HELLP-Syndrom
Lange Zeit hat man das HELLP-Syndrom als schwerste Komplikation einer Gestose/Präeklampsie angesehen. Heute weiß man, dass es auch ohne vorherige Gestose-Symptome urplötzlich auftreten kann.
Es handelt sich dabei um einen Begriff, der 1982 durch Dr. Louis Weinstein an Hand nachfolgender Laborsymptome geprägt wurde:
| H- | Hämolysis | Blutzerfall |
| EL- | elevated liver enzymes | erhöhte Leberwerte (SGOT und SGPT) |
| LP | ow platelet count | niedrige Thrombozytenzahlen = nachlassende Blutgerinnung, (Werte unter 100.000 |
Es tritt ca. einmal bei 150 bis 300 Schwangerschaften auf. Das rein statistische Wiederholungsrisiko ist mit 5 bis 19 % angegeben. Dabei ist es höher, wenn ein HELLP-Syndrom relativ früh in der Schwangerschaft aufgetreten ist und die Thrombozyten unter 50.000 abfielen.
Über 90% der davon betroffenen Frauen berichten von mehr oder weniger starken Oberbauchschmerzen, die hauptsächlich unter dem rechten Rippenbogen auftreten (wo die Leber sitzt), manchmal auch in der Nierengegend oder im gesamten Rückenbereich. Häufig tritt zusätzlich Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall auf. Oft denkt man an eine Magen-Darm-Grippe. Wenn diese Beschwerden auftreten, sollte man durch eine Untersuchung der Leberwerte ("HELLP-Labor") Klarheit schaffen. Manchmal tritt auch heftiges Hautjucken auf.
Wenn Sie diese Anzeichen bei sich bemerken, sollten Sie eine Klinik aufsuchen, oder wenn Sie sich bereits dort befinden, sofort darauf aufmerksam machen, auch in der Nacht! Dabei sollten Sie möglichst eine größere Klinik oder ein Perinatalzentrum aufsuchen, die mit der Erkennung und der Behandlung eher vertraut sein werden.
Durch die Entbindung wird auch der Verlauf des HELLP-Syndroms nicht unterbrochen. Es dauert in der Regel drei bis vier Tage und wenn man recht schnell die Entbindung vornimmt, stellt sich der Höhepunkt erst nach der Geburt ein. {ACHTUNG: Hier fehlt Text.] weil sie von alleine fallen und meist dann auch nach spätestens drei Tagen wieder normal sind. Das ist das Unerklärliche für viele Frauen, dass eine so lebensbedrohliche Situation sich innerhalb so kurzer Zeit wieder normalisieren kann. Als wäre nichts gewesen und alles nur ein böser Spuk...
Es gibt andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome zeigen, meist jedoch ohne Blutdruckerhöhungen, die aber genau so gefährlich für Mutter und Kind sind (Hämolytisch-urämisches-Syndrom = HUS, Thrombozytopenisch-thrombotische Purpura = TTP, Schwangerschaftscholestase). Hier sind diffential diagnostische Maßnahmen notwendig.
Das frühe Auftreten eines HELLP-Syndroms (bis ca. 34. Woche) kann auf vorbestehende Erkrankungen oder gar genetische Einflüsse zurückzuführen sein. Hier stehen vor allem immunologische und thrombophile Ursachen im Verdacht. Diese sollten vor Eintritt einer neuen Schwangerschaft auf jeden Fall abgeklärt werden. Hierzu steht die Sonderbroschüre "Immunologische und thrombophile Ursachen für Präeklampsie und HELLP-Syndrom" mit ausführlichen Erklärungen zur Verfügung.
Einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt der Erkrankung stellt zunehmend die Nachsorge, sowohl bei der Mutter als auch beim Kind, dar.
Oft zeigen sich noch lange Zeit Störungen im Kurzzeitgedächtnis. Am besten ist, man ignoriert dies so weit wie möglich und schreibt sich alles auf! Ob es sich jemals wieder normalisiert, können wir bisher nicht sagen. Sicher ist es etwas lästig, aber man kann sich in leichteren Fällen vorübergehend damit arrangieren.
Psychologen vermuten, dass es sich dabei um Auswirkungen von posttraumatischen Belastungsstörungen handelt könnte. Diese sollten rechtzeitig therapiert werden, je eher, umso besser.
Die fachübergreifende, langjährige Nachbetreuung wird
in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Mehr dazu finden Sie in
den Leitlinien
zur Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen auf der
Seite der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Buchempfehlungen
Wir möchten Ihnen in diesem Zusammenhang auch die Bücher anderer Autoren ans Herz legen. Bitte beachten Sie unsere nachfolgenden Buchempfehlungen.


Thomas Scholtyssek: Achterbahn
zum ersten Milchzahn
Ergänzungen Ärzteliste erwünscht